Divertikulitis – eine Alterskrankheit?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Divertikulitis als Alterserkrankung anzusehen
ist, denn offenbar treten Divertikel erst relativ spät im Leben auf. Folgt
man medizinischen Statistiken, tritt die Erkrankung im Kindesalter und bis zu
einem Alter von etwa 25 Jahren so gut wie gar nicht auf. Auch in der
Altersspanne von 30 bis 40 ist diese Krankheit vergleichsweise selten: Weniger
als 10% der Personen diesen Alters erkranken an einer Divertikulitis.

Kommt es dennoch in jungen Jahren zur Divertikulitis, so ist diese sehr häufig

durch einen aggressiven Verlauf und diverse Komplikationen geprägt.
Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Erkrankungsrate dann allerdings rapide zu.
Während im Alter von 50 bis 60 Jahren fast jeder Vierte betroffen sein soll,
beträgt das Risiko einer Divertikulitis mit Erreichen des 70. Lebensjahres
immerhin über 40 %.

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 65 % der Personen, die 80 Jahre und älter sind, an einer Divertikulitis leiden bzw. Divertikel entwickelt haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich mit zunehmendem Alter rascher größere
Divertikel ausbilden, und die Komplikationsraten deutlich ansteigen.
Zwar wird allgemein davon ausgegangen, dass das Geschlecht bei der
Entstehung von Divertikulitis keine Rolle spielt, aber dennoch gibt es einige
geschlechtsspezifische Unterschiede. Während das männliche Geschlecht in
jüngeren Jahren ganz eindeutig mit einer Rate von bis zu 80 % überwiegt,
sollen lt. einiger Literaturangaben im fortgeschrittenen Alter Frauen deutlich
mehr betroffen sein. Möglicherweise hängt dies allerdings mit der höheren
Lebenserwartung von Frauen zusammen.

Da die Divertikulitis ganz offensichtlich eine Alterserkrankung zu sein scheint,

vermuten Mediziner, dass eine der Ursachen für eine Divertikulitis in der
altersbedingten Verdünnung der Darmwand liegt.
Der Anstieg der Erkrankung von 5 % zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf eine
Quote von über 50 % in der heutigen Zeit hat dazu geführt, dass die
Divertikulitis zunehmend ernster genommen wird.
In den USA wird mittlerweile vermutet, dass dort etwa 7 Millionen Menschen
von Divertikeln betroffen sind, von denen wiederum ca. 1,5 Millionen
Betroffene Divertikelerkrankungen entwickeln. Das amerikanische National
Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases geht sogar davon aus,
dass in den USA mindestens jeder Zweite über 60 Jahre von Divertikulitis
betroffen ist.

In Deutschland wurden im Jahr 2002 fast 90.000 Patienten aufgrund einer

Divertikulose stationär behandelt. Angesichts des demographischen Wandels

ist zweifelsohne mit einem weiteren dramatischen Anstieg der Divertikulitis zu
rechnen.
In Entwicklungsländern gehört die Divertikulitis übrigens zu den sehr seltenen
Krankheiten. Man führt dies auf den intensiven Konsum von ballaststoffreichen
Nahrungsmitteln zurück.
Lesen Sie mehr über Divertikulitis in unserem Ratgeber “Divertikulitis-die unterschätzte Krankheit” von Sabine Wiesel.